30 Jahre literarische Übersetzungen

Studenten sind chronisch pleite, also suchen sie sich einen Job. So geriet ich 1983 an meinen ersten Übersetzungsauftrag: »30 Tage Meer und Liebe« aus der Reihe »Anja - Der zauberhafte Liebesroman«. Ein typisches Heftchen aus dem literarischen Gruselkabinett der Groschenromane.

Ich nahm die Sache mit Humor.

Die Arbeit ging erfreulich locker von der Hand und wurde – für meine damaligen Verhältnisse – so gut bezahlt, dass im Anschluss einige Tage am Meer drin waren, zwar keine 30 und auch ohne Anja, aber, hey, immerhin …

Da man offenbar sehr zufrieden mit der Arbeit war, folgten einige weitere Heftchen, denn Urlaub macht jeder gern, und dieser Job war allemal besser als im Supermarkt Kartons zu stapeln oder irgendwo zu kellnern.

Irgendwann nervte das Gesäusel, und nach einem ausgedehnten Ausflug in die Gefilde der young adult romances hielt ich nach härterem Stoff Ausschau, wurde beim Kriminalroman fündig — und fing Feuer. Wunderbare Welt der Raubmörder und Attentäter, Kleinkriminellen und Mafiabosse … manches davon über die Jahre hervorragend verfilmt, wie Yakuza, American Hero oder Driver.

Das Team

K. Bielfeldt

Kathrin Bielfeldt

Kathrin Bielfeldt ist Volkswirtin, Fachfrau für Marketing und ein Sprachentalent. Sie spricht Englisch, Spanisch, Niederländisch und Französisch. Und seit neun Jahren übersetzt sie Literatur.

J. Bürger

Jürgen Bürger

Jürgen Bürger hat Soziologie, Politische Wissenschaft und Geschichte studiert. Seit 1984 ist er selbständig. Seine Übersetzungen sind in namhaften Verlagen erschienen.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Denn zu den Krimis kam es erst während eines Berlin-Aufenthalts. Der Ullstein Verlag war schon damals ein Begriff für Krimi-Leser, also entschied ich, dort mein Glück zu versuchen. Wie es der Zufall wollte, erreichte ich das Verlagsgebäude zur Mittagszeit. Weit und breit weder ein Pförtner noch sonst eine Menschenseele zu sehen. Unverzagt stiefelte ich in den Fahrstuhl und stieg einfach wieder aus, wo es hieß "Redaktion Kriminalromane". Dort erwischte ich den offenbar einzigen an diesem Tag und um diese Uhrzeit arbeitenden Ullstein-Mitarbeiter. Erst Jahre später erfuhr ich, dass ich diesen ersten von zahlreichen weiteren Aufträgen eigentlich nur erhalten hatte, weil anscheinend noch nie zuvor ein Punk unbehelligt ins normalerweise gut bewachte Innere des Verlagsgebäudes vordringen konnte — so viel Chuzpe sollte belohnt werden.

Mit diesen ersten "richtigen" Romanen für Ullstein schien ich so etwas wie die Eintrittskarte für andere Verlagshäuser erhalten zu haben, wobei ich mich vor allem gern an die langjährige Zusammenarbeit mit der thriller-Redaktion des Rowohlt Verlags erinnere — Bernd Jost und Peter M. Hetzel (bis zu seinem viel zu frühen Tod in 2014 dienstältester Literaturkritiker des deutschen Fernsehens und selbst Krimi-Autor) waren herausragende Lektoren mit einem guten Riecher für Stoffe und vor allem auch Autoren.

Ich mochte (und mag!) diese Arbeit und wurde — nicht zuletzt zu meiner eigenen Überraschung — hauptberuflich literarischer Übersetzer. So folgten auf das erste Anja-Heftchen viele viele weitere Geschichten, und im Laufe der Zeit addiert sich das dann zu heute rund 250 Titeln auf.

Dazwischen gab es auch diverse Übersetzungen fürs Fernsehen oder für Magazine und Zeitschriften, auch mal ein Sachbuch über Haie oder eine Sittengeschichte der Päpste und mal was über den Alltag von Marines in Afghanistan oder über das harte Leben der Rockstars. Ein aktueller "Sachbuch"-Titel liegt mir besonders am Herzen: Drei wahre Geschichten aus dem und über den Alltag von Jugendlichen in den tristen Vororten britischer Großstädte: The Hood von Gavin Knight.
Und ein wahrlich großartiger Western — nämlich Pete Dexters Deadwood — war auch dabei.

Neben einer langen Reihe von Platzierungen unter den ersten Zehn der monatlich erscheinenden KrimiZeit-Bestenliste sind wir sechs Mal mit dem deutschen Krimipreis (international) und zwei Mal für den Krimi des Jahres der Jury der KrimiZeit-Bestenliste ausgezeichnet worden. Auch auf der Liste der 119 besten Krimis aller Zeiten sind wir mehrfach vertreten. Mehr dazu unter Ruhm + Ehre

Seit einigen Jahren mit dabei ist meine vielsprachige und talentierte Lebensgefährtin Kathrin Bielfeldt: Texterin, Übersetzerin und Frau vom Fach in Sachen Werbung und Kommunikation. Unser Schreibstil ergänzt sich wunderbar und verdoppelt im Zweifelsfall das Tempo. Außerdem sehen vier Augen mehr als zwei.

Erfahrung und Professionalität macht in unserer Branche den entscheidenden Unterschied aus. Wer so lange so erfolgreich übersetzt, hat sich schon über sämtlichen englischen, irischen, schottischen oder amerikanischen Dialekten die Haare gerauft und irgendwann eine Lösung gefunden. Ein Profi weiß, wann ein „you-Sie“ zum „you-Du“ wird, fällt keinen „false friends“ mehr anheim und hat sehr viel Übung darin, sich auf den Stil des jeweiligen Autoren einzulassen, ohne den Text im Deutschen zu verbiegen.

Wenn Sie also ein schönes Buch zum Übersetzen haben - immer her damit. Ich oder besser: wir freuen uns darauf.

Und zum Schluss einer der besten ersten Sätze, die wir je gelesen haben — und noch dazu in einer unserer Übersetzungen …